
Cover: © Kiepenheuer & Witsch
Der Urtext aller Bücher über sinnentleerte Lohnarbeit — dreckig, faul, frauenfeindlich erzählt, und trotzdem seit über fünfzig Jahren nicht totzukriegen, weil jeder Satz sitzt.
Für wen?
Für alle, die morgens im Bus sitzen und sich fragen, wessen Leben sie da eigentlich führen — und für alle, die wissen wollen, wo Fallada endet und der amerikanische Rinnstein beginnt. Wer sich an Suff, Sexismus und Selbstzerstörung stößt, wird dieses Buch zu Recht furchtbar finden; wer darunter die Präzision sieht, versteht, warum alle es kopieren und keiner es kann.
Die Rezension
Henry Chinaski trägt Post aus. Dann sortiert er Briefe. Dazwischen: Alkohol, Pferdewetten, Frauen, Vorgesetzte mit Dienstvorschriften. Das ist das ganze Buch — und genau darin liegt der Schlag: Bukowski erzählt Erwerbsarbeit als das, was sie im schlechtesten Fall ist, ein Jahrzehnte-Countdown, den man mit Betäubung übersteht.
Der Ton macht's. Keine Anklage, kein Pathos, kein Selbstmitleid — kurze, trockene Sätze, die das Elend so beiläufig hinstellen, dass man laut lacht und sich sofort dafür schämt. Chinaski ist kein Held und will keiner sein: Er ist faul, versoffen, unzuverlässig und behandelt Frauen mies. Das Buch weiß das und bettelt nie um Verständnis. Diese Verweigerung jeder Entschuldigung ist bis heute sein härtester Zug.
Die Entstehung ist selbst Legende: Ein Verleger bot Bukowski hundert Dollar im Monat auf Lebenszeit, wenn er den Postjob hinschmeißt und nur noch schreibt. Er kündigte mit 49 — und schrieb diesen Roman in wenigen Wochen herunter. Man merkt es: Das Buch hat die Wut und das Tempo einer Flucht.
Wer Arbeit je als Zumutung empfunden hat, findet hier den Text, der das so billig gesagt hat wie kein zweiter — billig im besten Sinn: ohne Schmuck, ohne Trost, zum Selbstkostenpreis der Wahrheit.
- Verlag
- Kiepenheuer & Witsch
- ISBN
- 978-3-462-03430-1
- Erstausgabe
- 1971
- Genre
- Klassiker
Von der Ratte · Rezensiert am
Häufige Fragen
- Lohnt sich „Der Mann mit der Ledertasche“?
- Ja, es ist der Urtext aller Bücher über sinnentleerte Lohnarbeit. Seit über fünfzig Jahren nicht totzukriegen, weil jeder Satz sitzt.
- Für wen ist das Buch geeignet?
- Für alle, die morgens im Bus sitzen und sich fragen, wessen Leben sie da eigentlich führen. Wer sich an Suff, Sexismus und Selbstzerstörung stößt, wird es zu Recht furchtbar finden.
- Wie ist der Roman entstanden?
- Ein Verleger bot Bukowski hundert Dollar im Monat auf Lebenszeit, wenn er den Postjob hinschmeißt und nur noch schreibt. Er kündigte mit 49 und schrieb den Roman in wenigen Wochen herunter.
- Worum geht es in „Der Mann mit der Ledertasche“?
- Henry Chinaski trägt Post aus und sortiert Briefe, dazwischen Alkohol, Pferdewetten und Vorgesetzte mit Dienstvorschriften. Erwerbsarbeit als Countdown, den man mit Betäubung übersteht.
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