
Cover: © Aufbau Taschenbuch
Eine Frau hört auf, Fleisch zu essen, und die Wucht des Buchs liegt darin, wie gewalttätig ihre Umgebung auf diese eine Verweigerung reagiert.
Für wen?
Für alle, die Literatur wollen, die unter die Haut geht und dort bleibt. Wer klare Erklärungen, sympathische Figuren oder ein tröstliches Ende braucht, sollte die Finger davon lassen — dieses Buch erklärt nichts und tröstet niemanden.
Die Rezension
Drei Teile, drei Perspektiven, und die Frau, um die es geht, erzählt in keiner davon ihre eigene Geschichte: Erst berichtet ihr Ehemann, dann folgt der Blick ihres Schwagers, dann der ihrer Schwester. Nur in ein paar Traumfetzen im ersten Teil hört man Yong-Hye selbst, und auch da spricht sie nicht über sich, sondern aus einem Albtraum heraus. Das ist kein Kunstgriff um des Kunstgriffs willen — es ist der Inhalt. Wer eine Frau nie selbst erzählen lässt, hat schon entschieden, dass sie ein Problem ist und keine Person.
Das Buch ist erschreckend körperlich. Es geht um Essen, Schlafen, Berührung, um einen Körper, der sich entzieht, und um Angehörige, die das als Angriff verstehen. Han Kang schreibt darüber kühl, fast klinisch, und gerade diese Kühle macht die Gewalt unerträglich — sie kommt nie als Ausbruch, sondern als Fürsorge getarnt.
Man liest die 190 Seiten schnell und braucht danach eine Weile. Wer den Nobelpreis 2024 zum Anlass nimmt, bei Han Kang anzufangen: Hier steht das Buch, das ihren internationalen Ruf begründet hat — aber es ist nicht das freundlichste. Es ist das kompromissloseste.
- Verlag
- Aufbau Taschenbuch
- ISBN
- 978-3-7466-3333-6
- Erstausgabe
- 2007
- Seiten
- 190
- Genre
- Gegenwartsliteratur
Von der Ratte · Rezensiert am
Häufige Fragen
- Lohnt sich „Die Vegetarierin“?
- Ja, wenn du Literatur willst, die unter die Haut geht und dort bleibt. Es ist Han Kangs kompromisslosestes Buch, nicht ihr freundlichstes.
- Für wen ist „Die Vegetarierin“ geeignet?
- Für Leser, die ohne klare Erklärungen, sympathische Figuren und tröstliches Ende auskommen. Dieses Buch erklärt nichts und tröstet niemanden.
- Ist das das Nobelpreis-Buch von Han Kang?
- Den Nobelpreis bekam Han Kang 2024 für ihr Gesamtwerk. „Die Vegetarierin“ (Original 2007) ist das Buch, das ihren internationalen Ruf begründet hat.
- Wie lang ist „Die Vegetarierin“?
- Rund 190 Seiten. Man liest sie schnell und braucht danach eine Weile.
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