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Buchcover: Mein Jahr der Ruhe und Entspannung von Ottessa Moshfegh

Cover: © btb

Gegenwartsliteratur · 2018

Mein Jahr der Ruhe und Entspannung

Ottessa Moshfegh

Das komischste Buch über Betäubung, das es gibt — eine Frau schläft sich durch ein Jahr, und man lacht genau so lange, bis man merkt, wie nah einem das Programm ist.

Für wen?

Für alle, die von Selbstoptimierung, Achtsamkeit und „Self-Care“ heimlich erschöpft sind — hier ist die Konsequenz als Roman. Wer eine sympathische Heldin braucht, wird an dieser Erzählerin verzweifeln: Sie ist jung, schön, reich und unausstehlich. Wer aushält, dass Wahrheit gemein sein kann, bekommt eines der bösesten Bücher der Gegenwartsliteratur.

Die Rezension

New York, um die Jahrtausendwende: Eine junge Frau hat alles, was laut Katalog zum guten Leben gehört — Geld, Aussehen, Kunstjob, Wohnung an der Upper East Side. Sie beschließt, ein Jahr lang zu schlafen. Nicht als Metapher: mit Tabletten, die ihr eine Psychiaterin verschreibt, deren Sprechstunden so absurd sind, dass man sie zweimal liest.

Das ist der Witz des Buches, und er ist rabenschwarz: Moshfegh erzählt Sucht nicht als Absturz im Rinnstein, sondern als Wellness-Programm. Betäubung mit Rezept, Rausch als Routine, Selbstzerstörung im Namen der Selbstfürsorge — die Erzählerin nennt ihren Dämmerzustand allen Ernstes einen Neuanfang. Dass man ihr dabei nicht die Freundschaft kündigt, liegt an der Prosa: trocken, präzise, ohne ein Gramm Mitleid, auch nicht mit sich selbst.

Unter der Komik liegt Trauer, unter der Trauer eine Frage, die kleben bleibt: Was, wenn Nichtstun die ehrlichste Antwort auf eine erschöpfte Welt ist — und trotzdem die falsche? Dass ausgerechnet dieses Buch Jahre später in den sozialen Medien zum Kultobjekt einer übermüdeten Generation wurde, ist die bitterste Pointe: Es wurde als Anleitung gelesen, dabei ist es eine Diagnose.

Kein Trost, kein Rat, keine Läuterung. Nur ein Spiegel mit sehr guter Auflösung.

Verlag
btb
ISBN
978-3-442-71945-7
Erstausgabe
2018
Seiten
320
Genre
Gegenwartsliteratur

Von der Ratte · Rezensiert am

Häufige Fragen

Lohnt sich „Mein Jahr der Ruhe und Entspannung“?
Ja, es ist das komischste Buch über Betäubung, das es gibt. Man lacht genau so lange, bis man merkt, wie nah einem das Programm ist.
Für wen ist das Buch geeignet?
Für alle, die von Selbstoptimierung, Achtsamkeit und Self-Care heimlich erschöpft sind. Wer eine sympathische Heldin braucht, wird an dieser Erzählerin verzweifeln.
Worum geht es (spoilerfrei)?
New York um die Jahrtausendwende: Eine junge Frau mit Geld, Aussehen und Kunstjob beschließt, ein Jahr lang zu schlafen. Mit Tabletten, nicht als Metapher.
Warum ist das Buch so bekannt geworden?
Es wurde Jahre nach Erscheinen in den sozialen Medien zum Kultobjekt einer übermüdeten Generation. Die bittere Pointe: Es wurde als Anleitung gelesen, dabei ist es eine Diagnose.