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Buchcover: Die Wand von Marlen Haushofer

Cover: © Ullstein

Klassiker · 1963

Die Wand

Marlen Haushofer

Der beste Trick der österreichischen Nachkriegsliteratur: sieht aus wie Endzeit-Fantastik und seziert in Wahrheit, was von einem Menschen bleibt, wenn niemand mehr zuschaut.

Für wen?

Für alle, denen die Welt gerade zu laut ist und die wissen wollen, wie radikal Ruhe sein kann. Wer Tempo, Twists und Erklärungen braucht, wird an diesem Buch verzweifeln — es erklärt nichts, es beschleunigt nie. Wer sich darauf einlässt, liest eines der stillsten und dabei härtesten Bücher des 20. Jahrhunderts.

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Die Rezension

Eine Frau, eine Jagdhütte im Gebirge, ein Morgen: Zwischen ihr und dem Rest der Welt steht plötzlich eine unsichtbare Wand, und dahinter regt sich nichts mehr. Das klingt nach Katastrophenkino. Haushofer macht das Gegenteil daraus — einen Bericht. Holz hacken, Kartoffeln setzen, Heu für die Kuh, der Hund, die Katze. Kein Geheimnis wird gelüftet, keine Rettung geplant. Es wird gearbeitet.

Genau da liegt die Wucht. Robinson Crusoe zivilisiert seine Insel und nennt es Eroberung; Haushofers Erzählerin hält Leben am Laufen und nennt es gar nichts, sie tut es einfach. Die Prosa ist ruhig, genau und völlig frei von Selbstmitleid — und unter dieser Ruhe arbeitet eine Frage, die immer größer wird: Wie viel von dem, was wir „Ich“ nennen, war nur Publikum?

Als der Roman 1963 erschien, blieb er ohne breite Resonanz. Erst die Frauenbewegung der Achtziger machte ihn zum Kultbuch, die Verfilmung mit Martina Gedeck (2012) trug ihn vollends in den Kanon — und spätestens seit wir alle wissen, wie sich abgeschnittene Wochen anfühlen, liest er sich noch einmal anders.

Ein Buch wie eine lange, klare Nacht im Gebirge: Es passiert fast nichts, und es geht um alles.

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Verlag
Ullstein
ISBN
978-3-548-60571-5
Erstausgabe
1963
Genre
Klassiker